
Ich lebe in Ahvaz, einer Stadt der Hitze, des Öls und der Ausdauer in der iranischen Provinz Chuzestan. Der Karun-Fluss schlängelt sich durch unsere Viertel, doch der Wüstenwind trägt oft Staub und Rauch über den Horizont. Ahvaz ist eines der Zentren der iranischen Ölindustrie – die Felder und Raffinerien rund um uns versorgen das Land seit Generationen mit Energie. Dennoch ist das Leben für viele Familien hier beschwerlich. Stromausfälle, Wasserknappheit und wirtschaftliche Not gehören zum Alltag.
Unsere Stadt stand lange im Zentrum von Konflikten. Während des Iran-Irak-Krieges lag Ahvaz nahe der Frontlinie, und die Narben jener Zeit prägen noch immer unser Gedächtnis. In jüngster Zeit kam es in der gesamten Region zu Unruhen und Protesten, insbesondere unter Bauern und Arbeitern, die unter Dürre, Umweltverschmutzung und Arbeitslosigkeit leiden.
Der Krieg um den Iran hat die angespannte Lage weiter verschärft. Luftangriffe im ganzen Land zielen auf militärische und Energieinfrastruktur und verstärken die Sorgen um die Stabilität der Ölproduktion und die Zukunft der Wirtschaft. In einer Stadt, die so eng mit den Ölfeldern des Landes verbunden ist, sprechen die Menschen leise darüber, was diese Angriffe für ihren Lebensunterhalt und ihre Sicherheit bedeuten könnten.
Doch das Leben geht weiter am Karun-Fluss. Jeden Morgen öffnen die Märkte, Kinder gehen zur Schule, und Familien versammeln sich abends trotz Hitze und Ungewissheit. Für die Gläubigen in Ahvaz muss der Glaube oft im Stillen bleiben. Kleine Zusammenkünfte und geflüsterte Gebete spenden Hoffnung an einem Ort, an dem die Angst erdrückend wirken kann. Dennoch glaube ich, dass Gott diese Stadt sieht – ihre Arbeiter, ihre Familien und ihre müden Herzen. Dieselbe Stadt, die für Öl und Not bekannt ist, könnte eines Tages ein Ort sein, an dem lebendiges Wasser frei fließt.



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