
Ich lebe in Shiraz – einer Stadt der Gärten, der Poesie und der uralten Geschichte. Seit Jahrhunderten kommen Reisende hierher, um zwischen den Rosen des Eram-Gartens zu wandeln und die Worte von Hafis und Saadi zu lesen, Dichtern, die von Liebe, Sehnsucht und Wahrheit schrieben. Shiraz strahlt seit jeher eine sanftere Atmosphäre aus als viele andere Städte im Iran – ein Ort, an dem Schönheit und Kunst die Seele seiner Bewohner geprägt haben.
Doch heutzutage fühlt sich das Leben anders an. Der Lärm von Düsenjets und fernen Explosionen durchbricht immer wieder die Stille unserer Straßen. Während des jüngsten Krieges schlugen Luftangriffe in der Nähe von Shiraz ein, beschädigten sogar Gebiete um den Flughafen und töteten Zivilisten in den umliegenden Vierteln. Viele Familien leben hier nun in Ungewissheit und fragen sich, was der morgige Tag bringen wird, während der Konflikt im ganzen Land weitergeht.
Abgesehen vom Krieg herrscht auch im Iran tiefe Unruhe. Studenten und Bürger protestieren gegen wirtschaftliche Not und politische Repression, worauf die Regierung mit harten Repressionen und Internetsperren reagiert. Die Spannung ist allgegenwärtig – auf Märkten, an Universitäten und in Privathäusern, wo Gespräche verstummen, sobald bestimmte Themen zur Sprache kommen.
Doch selbst hier, in einer Stadt, die von Angst und Unsicherheit geplagt ist, gibt es eine stille Suche nach Hoffnung. Die Menschen in Shiraz haben seit jeher Schönheit und Sinn geliebt. Ich glaube, dass diese Sehnsucht – dieselbe Sehnsucht, die die Poesie dieser Stadt seit Jahrhunderten prägt – viele Herzen dazu bewegt, nach etwas Tieferem als Politik, Krieg oder Tradition zu suchen.
Auf verborgene Weise wirkt Gott. Gespräche über den Glauben finden im Stillen statt. Träume regen nachts zum Nachdenken an. Und kleine Gruppen von Gläubigen beten dafür, dass diese Stadt der Dichter und Gärten den wahren Schöpfer des Lebens und den wahren Friedensfürsten erkennt. Ich glaube, Shiraz wird nicht nur für seine Dichtung der Vergangenheit in Erinnerung bleiben, sondern auch für eine neue Geschichte, die Gott in die Herzen seiner Bewohner schreibt.



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