

Die meisten Menschen in Isaan sind zutiefst davon überzeugt, dass es besser ist, die Kraft vieler religiöser Systeme zu nutzen, als sich auf ein einziges Glaubenssystem festzulegen. Die Verehrung mehrerer Götter und Machtquellen prägt das Leben vieler. Besonders Männer tragen oft Halsketten mit Talismanen, und es ist nur allzu leicht, das christliche Kreuz in dieses Milieu zu integrieren. Häufig lautet die erste Frage nach einer einfachen Erklärung des Evangeliums: ‘Kann ich gleichzeitig Buddhist und Christ sein?’
Die synkretistische Mischung aus Glaubensvorstellungen und Kraftquellen im Buddhismus Nordostthailands wird zum zentralen Thema und zugleich zum Haupthindernis für die Jüngerschaft neuer Gläubiger. Wenn diese mit buddhistischem Hintergrund ihre ersten Schritte im Gehorsam unternehmen, werden sie die Sorge haben, dass Jesus allein nicht ausreicht und sie vorsichtshalber noch einige weitere Idole behalten sollten, falls Jesus in bestimmten Situationen überfordert sein sollte. Exklusive Aussagen wie “Jesus hat alle Macht im Himmel und auf Erden…” werden zu einem unerlässlichen ersten Schritt, um im Glauben und Gehorsam als Jünger Jesu zu wachsen.
Ein Christ joggte mit einem einheimischen Buddhisten am Mekongufer entlang. Der Buddhist hob die Hände über den Kopf (eine traditionelle thailändische Begrüßungsgeste), als wir an drei buddhistischen Tempeln vorbeikamen. Anschließend erwies er dem chinesischen Ahnentempel und danach dem alten Herrscher der Unterwelt, Paya Naka (der siebenköpfigen Naga-Schlange), seine Ehrerbietung. Später kamen wir an einem großen Baum vorbei, um den heilige Tücher gebunden waren. Man glaubt, dass der Geist des Landes in diesem Baum wohnt und daher verehrt werden sollte. Zum Abschluss unseres Laufs verneigte er sich vor der katholischen Kirche mit einem Wai (einer traditionellen thailändischen Begrüßungsgeste).
Ich fragte ihn, ob er sich unsicher sei, woher die wahre Hilfe für sein Leben komme, da er mehreren, teils widersprüchlichen Glaubenssystemen Respekt zollte. Er schien von der Frage verwirrt. Seiner Ansicht nach seien zehn Kraftquellen für ein erfülltes Leben besser als fünf, und ein einzelnes Glaubenssystem sei naturgemäß schwächer und unsicherer.


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